|
Informationsseite vom 8. September 2026 Berichte Betroffener, Angehöriger, Freundinnen und Freunde über die Folgen von Elektroschocks
Bericht vom 30. August 2026Ich bin Angehöriger einer Betroffenen. Meine Mutter ist durch die Psychiatrie zum Pflegefall geworden. Sie kann sich nicht ansatzweise selbst versorgen oder allein zurechtkommen. Nach meiner Geburt 1996 bekam meine Mutter das erste Mal das Antidepressivum Escitalopram. Als ein Psychiater ihre Psychopharmaka mehrfach gewechselt hatte und sie immer mal wieder in Garmisch in der Psychiatrischen kbo Lech-Mangfall-Klinik war, verschlechterte sich ihr Zustand immer mehr, bis sie sich am 15. Mai 2024 die Pulsadern aufschnitt. Weil ich sie rechtzeitig fand und den Notarzt herbeirufen konnte, überlebte sie gerade so. Daraufhin wurde sie wieder nach Garmisch gebracht, wo sie mit verschiedenen Antidepressiva, Neuroleptika, dem Schmerzmittel Ketamin und einer Magnetfeldtherapie behandelt wurde. Mit starken Magnetimpulsen, die man durch die Gehirne von Behandelten schickt, wollen Psychiater bestimmte Gehirnzellen anregen, die ihrem Glauben nach bei Depressionen zu schwach arbeiten. Seit dieser Behandlung war meine Mutter nicht mehr wiederzuerkennen. Sie schlief nur noch, war apathisch und nahm kaum Nahrung zu sich. Die Ärzte sagten, es gehe ihr bereits viel besser, sie mache Fortschritte. Daraufhin schaltete ich einen Anwalt ein, um weitere Behandlungen zu verhindern. Der konnte oder wollte mir und ihr nicht helfen, ich entzog ihm das Mandat. Dann wurde meine Mutter in die Psychiatrische Ludwig-Maximilians-Universitätsklinik München gebracht, wo sie das Antidepressivum Doxepin und ein Neuroleptikum erhielt. Und zusätzlich noch vier unilaterale, das heißt an einer Schläfenseite verabreichte, und acht bilaterale, das heißt an beiden Schläfenseiten verabreichte Elektroschocks und anschließend noch eine sogenannte Erhaltungs-EKT. In der Folge war sie sehr verwirrt. Sie wurde nie mehr die, die sie früher war. Zuhause haben wir zwar die Psychopharmaka endlich abgesetzt, aber geblieben sind die Müdigkeit, die Persönlichkeitsveränderung und eine tardive Dyskinesie, das heißt ein behandlungsbedingtes unentwegtes Zucken der Gesichts- und Handmuskulatur. Meine Mutter konfabuliert nun, wie Ärzte sagen, sie erfindet ständig Erinnerungen und Begebenheiten. Und sie trinkt und ist besessen von Zigaretten. Man kann kein normales Gespräch mehr mit ihr führen. Sie kann nicht mehr lesen oder backen oder sonst irgendetwas, das sie früher gekonnt hat. Es ist für mich offensichtlich, dass sie durch die psychiatrische Behandlung ein Frontallappen-Syndrom erlitten hat, eine Hirnschädigung. Wie Mediziner diesen Symptomenkomplex umschreiben, kann man im Internet auf https://flexikon.doccheck.com/de/Frontalhirnsyndrom nachlesen. Vor ungefähr acht Wochen hat sich meine Mutter leider Gottes wieder selbst in die Psychiatrie nach Garmisch eingewiesen. Vielleicht weil sie zuhause ein Pflegefall ist und mich entlasten will. Oder weil sie keinen Alkoholentzug machen will, der dringend nötig wäre. Sie trank viel in letzter Zeit. Aber vielleicht auch nur deshalb, weil sie in Garmisch Zigaretten bekommt. Ich bin selbst Ex-Raucher, aber bei meiner Mutter ist das keine normale Sucht mehr, sie ist völlig übersteigert auf Zigaretten fixiert. Für mich (nicht aber für Psychiater) ist es offensichtlich, dass ihre komplett veränderte Persönlichkeit eine Folge der Hirnschädigung ist, die sie durch die verabreichten Psychopharmaka und Elektroschocks davongetragen hat. Stefan Baur, Oberbayern Bericht vom ... |