Informationsseite vom 8. September 2026

Peter Lehmann

Berichte Betroffener, Angehöriger, Freundinnen und Freunde über die Folgen von Elektroschocks

Im Zuge der rechtsdriftenden Politikbewegung, des finanziellen Drucks auf Kliniken und der sich ausbreitenden psychopharmakabedingten Behandlungsresistenz wird hierzulande auch der im Faschismus in das psychiatrische Behandlungsarsenal aufgenommene Elektroschock samt seiner zwangsweisen Verabreichung wieder als Standardbehandlung hoffähig.

In aller Regel leugnen fundamentalistisch orientierte Psychiatrisierende, auch sozialpsychiatrische, die Risiken des Elektroschocks. Bisher sind es meistens Frauen und wehrlose alte Menschen, die sich mit einseitiger interessengeleiteter Information gutgläubig serienweise Elektroschocks verabreichen lassen – mit gravierenden Risiken und oft irreversiblen Schäden für ihre Psyche, ihr Zentralnervensystem und ihre Organe.

Informieren Sie sich rechtzeitig, sollte Ihnen, einem Angehörigen, einer Freundin oder einem Freund Elektroschocks drohen oder angeboten werden. Schreiben Sie rechtzeitig Ihre Behandlungsoption nieder; empfohlen: die ergebnisoffene Psychosoziale Vorausverfügung (PsychPaV) samt Formulierungsvorschlägen hinsichtlich Elektroschocks – www.peter-lehmann.de/info/pt/psychpav.htm.

Weitere Informationen siehe Peter Lehmann: »Kompaktwissen Elektroschock – Indikationen, Wirkungsweise, Risiken, Schäden, Alternativen« und »Zwangsweise, hochdosierte und fortgesetzte Elektroschocks – Rückschritt in die brutale Vergangenheit der Psychiatrie«

Diese Informationsseite soll als Warnung dienen. Weitere Berichte – Im Umfang und in der Form des Berichts vom 30. August 2026 – können Sie gerne an mail[at]peter-lehmann.de schicken.

Bericht vom 30. August 2026

Ich bin Angehöriger einer Betroffenen. Meine Mutter ist durch die Psychiatrie zum Pflegefall geworden. Sie kann sich nicht ansatzweise selbst versorgen oder allein zurechtkommen.

Nach meiner Geburt 1996 bekam meine Mutter das erste Mal das Antidepressivum Escitalopram. Als ein Psychiater ihre Psychopharmaka mehrfach gewechselt hatte und sie immer mal wieder in Garmisch in der Psychiatrischen kbo Lech-Mangfall-Klinik war, verschlechterte sich ihr Zustand immer mehr, bis sie sich am 15. Mai 2024 die Pulsadern aufschnitt. Weil ich sie rechtzeitig fand und den Notarzt herbeirufen konnte, überlebte sie gerade so.

Daraufhin wurde sie wieder nach Garmisch gebracht, wo sie mit verschiedenen Antidepressiva, Neuroleptika, dem Schmerzmittel Ketamin und einer Magnetfeldtherapie behandelt wurde. Mit starken Magnetimpulsen, die man durch die Gehirne von Behandelten schickt, wollen Psychiater bestimmte Gehirnzellen anregen, die ihrem Glauben nach bei Depressionen zu schwach arbeiten.

Seit dieser Behandlung war meine Mutter nicht mehr wiederzuerkennen. Sie schlief nur noch, war apathisch und nahm kaum Nahrung zu sich. Die Ärzte sagten, es gehe ihr bereits viel besser, sie mache Fortschritte. Daraufhin schaltete ich einen Anwalt ein, um weitere Behandlungen zu verhindern. Der konnte oder wollte mir und ihr nicht helfen, ich entzog ihm das Mandat.

Dann wurde meine Mutter in die Psychiatrische Ludwig-Maximilians-Universitätsklinik München gebracht, wo sie das Antidepressivum Doxepin und ein Neuroleptikum erhielt. Und zusätzlich noch vier unilaterale, das heißt an einer Schläfenseite verabreichte, und acht bilaterale, das heißt an beiden Schläfenseiten verabreichte Elektroschocks und anschließend noch eine sogenannte Erhaltungs-EKT. In der Folge war sie sehr verwirrt. Sie wurde nie mehr die, die sie früher war. Zuhause haben wir zwar die Psychopharmaka endlich abgesetzt, aber geblieben sind die Müdigkeit, die Persönlichkeitsveränderung und eine tardive Dyskinesie, das heißt ein behandlungsbedingtes unentwegtes Zucken der Gesichts- und Handmuskulatur. Meine Mutter konfabuliert nun, wie Ärzte sagen, sie erfindet ständig Erinnerungen und Begebenheiten. Und sie trinkt und ist besessen von Zigaretten. Man kann kein normales Gespräch mehr mit ihr führen. Sie kann nicht mehr lesen oder backen oder sonst irgendetwas, das sie früher gekonnt hat. Es ist für mich offensichtlich, dass sie durch die psychiatrische Behandlung ein Frontallappen-Syndrom erlitten hat, eine Hirnschädigung. Wie Mediziner diesen Symptomenkomplex umschreiben, kann man im Internet auf https://flexikon.doccheck.com/de/Frontalhirnsyndrom nachlesen.

Vor ungefähr acht Wochen hat sich meine Mutter leider Gottes wieder selbst in die Psychiatrie nach Garmisch eingewiesen. Vielleicht weil sie zuhause ein Pflegefall ist und mich entlasten will. Oder weil sie keinen Alkoholentzug machen will, der dringend nötig wäre. Sie trank viel in letzter Zeit. Aber vielleicht auch nur deshalb, weil sie in Garmisch Zigaretten bekommt. Ich bin selbst Ex-Raucher, aber bei meiner Mutter ist das keine normale Sucht mehr, sie ist völlig übersteigert auf Zigaretten fixiert. Für mich (nicht aber für Psychiater) ist es offensichtlich, dass ihre komplett veränderte Persönlichkeit eine Folge der Hirnschädigung ist, die sie durch die verabreichten Psychopharmaka und Elektroschocks davongetragen hat.

Stefan Baur, Oberbayern

Bericht vom ...