Unveröffentlichtes Manuskript vom 6. August 2006
D. Haas
Glückspille Sport
Viele Ärzte und Therapeuten wissen entweder zuwenig oder
gar nichts, dass der Sport wie z.B. Jogging effektiv gegen Depressionen
wirken kann. Eine Minderheit dieser Profession weiss es gewiss,
setzen es aber nicht um, weil es für sie finanziell uninteressant
und auch als eine Art Konkurrenz empfunden wird. Medikamente verschreiben
ist für das Geschäft besser.
Mehrere Dissertationen, Diplomarbeiten, Zeitschriften und Bücher,
die ich zu diesem Thema durchgesehen habe, bestätigen diese
Aussagen: Sport hilft erfolgreich Depressionen zu überwinden
oder zu reduzieren! Der Psychiater David Servan-Schreiber, schreibt
in seinem interessanten Buch "Die neue Medizin der Emotionen"
(Verlag Antje Kunstmann, 2004; Kapitel 10) über eine beeindruckende
Studie der Duke-Universität. Kurz: Das Ergebnis der Studie
war, dass die Wirkung des Sports gegen Depressionen gleich gut
wirkte wie Antidepressiva. Weiter stellte man fest, das die Sportgruppe
hochsignifikant weniger Rückfälle hatte als die Gruppe
der Psychopharmaka-Klienten. Prof. Dr. Ulrich Bartmann, Autor
des ausgezeichneten Buches "Laufen und Joggen für die
Psyche" (DGVT-Verlag, 4., überarbeitete und erweiterte
Auflage 2005), bescheinigt dem Jogging ebenfalls eine antidepressive
Wirkung und die Reduzierung von Ängsten.
Auch meine persönlichen Erfahrungen bestätigen, was
in der Fachliteratur schon längst bekannt ist: Sport wirkt
gegen Depressionen. Obwohl ich als Klient eine über 10-jährige
Psychotherapie-Erfahrung u.a. wegen Melancholie habe, ist der
Sport, den ich als Ausdauertraining (Herzkreislauf und Fettverbrennung)
und Krafttraining in einem Fitness-Studio betreibe, die beste
Therapie die ich kenne. Wenn ich die Wahl hätte zwischen
Psychotherapie oder Sport wählen zu müssen, würde
ich ohne zögern den Sport bevorzugen. Schon nach einem Training,
fühle ich mich meistens körperlich und seelisch spürbar
besser unabhängig von der Schwere der Melancholie.
Obwohl ich nicht so gerne Sport betreibe, weil es so anstrengend
ist, hat der Sport in meinem Leben trotzdem eine enorme Bedeutung
bekommen. Ich bin zudem der Meinung, dass eine Person davon profitieren
kann, selbst wenn sie durch diese körperliche Betätigung
ihre "Tiefs" nicht wegbekommt. Der Sport kann uns vor
vielen Krankheiten schützen. Der Bluthochdruck und die Cholesterin-Triglyceride
werden dadurch gesenkt, Diabetes wird verhindert, Übergewicht
reduziert oder von vornherein verhindert, das Immunsystem gestärkt,
die Knochen werden gefestigt, das Herz wird gesund erhalten, die
Libido gesteigert und vieles mehr.
Jede Krankheit belastet unser Leben und unsere Seele negativ.
Also selbst wenn der antidepressive Effekt des Sports ausbleiben
sollte, tut man indirekt etwas dagegen, damit sich Depressionen
nicht noch durch weitere Krankheiten verschlimmern.
Es gibt natürlich auch Grenzen der Anwendbarkeit. Man kann
ungefähr davon ausgehen, dass durchschnittlich 50% der Personen,
von der antidepressiven Wirkung oder Reduzierung durch den Sport
wie Joggen oder auch Krafttraining profitieren werden. Ich kenne
aber auch eine deutsche Studie von Marieta Erkelens & Norbert
Golz ("Effekte des Sporttreibens bei Depressionen: Das Berliner
Sporttherapieprogramm zur Behandlung depressiver Störungen";
Köster 1998). Diese berichten, das 70 % der Teilnehmer durch
den Sport ihre Depression gut behandeln konnten. Erwähnenswert
ist auch, dass die gleichen Autoren nachwiesen, dass der Sport
auch bei schweren Depressionen hilft mit einer Wirkdauer
bis zu vier Jahren. Wichtig dabei scheint mir, dass man den Sport
regelmässig betreibt und dass es auch etwas anstrengend ist.
Ganz wichtig ist zu wissen: Jede Übertreibung im Sport, besonders
am Anfang und für Anfänger, kann genau das Gegenteil
davon bewirken, was man gerne los werden möchte. Es verhält
sich ähnlich wie beim Jojo-Effekt einer Diät. Es ist
damit zu rechnen, das mindestens 50 % der Leute das Training vorzeitig
wieder abbrechen. Wahrscheinlich liegt das gar nicht immer an
der Depression selbst, sondern weil man zuviel, zuwenig, zu unregelmässig,
mit ungeeigneten Geräten, einer falschen Pulsfrequenz, inkompetenten
Trainern (sprich: falsche Instruktion), in einem unangenehmen
Ambiente, zu einer ungünstigen Zeit trainierte.
Man soll sich auch nicht auf das Joggen alleine fixieren. Ich
selber jogge nicht, sondern trainiere am liebsten auf einem sogenannten
Crosstrainer. Monotonie ist ein grausamer "Trainings-Killer".
Es ist darum sehr wichtig, Abwechslung in den Sport einzubauen.
Vielleicht hört sich dies komisch oder unglaubwürdig
an. Obwohl ich von dem Sport gegen Depressionen überzeugt
bin und davon profitiere, bin ich nicht geheilt. Wer z.B.
vorher eine schwere Depression hatte und nach der körperlichen
Ertüchtigung an einer milderen Depression leidet, bewertet
dies trotzdem meist als einen Fortschritt so seltsam sich
das auch anhört.
Es wäre auch ziemlich absurd zu sagen, du brauchst nur zu
laufen und deine Probleme sind gelöst. Wer sich nur stur
auf den Sport konzertiert, muss sich nicht wundern, wenn eine
Besserung ausbleibt. Da die meisten Depressiven Lebensprobleme
haben (und selten Depressionen körperlicher Ursache), müssen
sie natürlich auch bereit sein, diese Lebensprobleme zu lösen.
Jeder vernünftige Mensch weiss, dass eine unglückliche
Partnerschaft, falsche Freunde, ein nicht erfüllender Beruf
usw. nicht gerade die besten Voraussetzungen sind, damit man zu
einem glücklicheren, friedvolleren Leben zurück findet.
Wem es zumindest gelingt, Melancholie durch Training zu reduzieren,
dem bzw. der wird es unter Umständen leichter gelingen, auch
andere Probleme besser zu bewältigen, weil er oder sie jetzt
weniger depressiv ist.
Oft ist nicht nur der absolute Erfolg eine Bereicherung für
das Leben, auch eine relative Verbesserung kann von hohem Wert sein.
Nicht Sport ist Mord. Sondern, Mord ist: Kein Sport!
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