Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.) - Statt Psychiatrie 2

ISBN 978-3-925931-38-3
Nach 14 Jahren geben Peter Lehmann und Peter Stastny eine 2. Ausgabe von Statt Psychiatrie heraus. Darin enthalten sind in besonderem Ma e Gedanken, Beschreibungen und Hoffnungen Psychiatrie-Erfahrener, Angeh riger sowie Professioneller aus dem unmittelbaren (Therapeuten u. Wissenschaftler) und mittelbaren (Juristen) Umfeld psychiatrischer Institutionen.
Ist es noch oder wieder zeitgem ߓ von einem Gegenpol der Psychiatrie zu sprechen - was zumindest der Titel dieses Sammelbandes andeutet? Zun chst m sste eine definitorische Erkl rung her, was genau unter dem Begriff Psychiatrie zu verstehen ist. In einer Zeit multipler Deutungen und individueller Lebensentw rfe scheint diese Frage immer schwieriger beantwortet werden zu k nnen. Schlie lich findet man in den zahlreichen, detailliert geschilderten Beitr gen eine Vielzahl von Antworten - insbesondere zum Umgang mit psychischen Krisen und dem System Psychiatrie.
Dabei bleiben Verlag und Herausgeber keineswegs nur auf deutsche oder europ ische Verh ltnisse beschr nkt, sondern sie erweitern den Blick auf weltweite, in vielen F llen erfolgreich verlaufende Heilungsversuche Psychiatrie-Erfahrener. Gleicherma en spielen die alternativen, teilweise gut belegbaren Strategien und Bew ltigungsversuche der Mitwirkenden eine wesentliche Rolle bei der gelungenen Synthese von Zwangsvermeidung und weichen Formen der (Selbst)-Behandlung.
Das Buch bietet mehr als nur den sprichw rtlichen Blick ber den Tellerand hinaus. Es zeigt, wie stark und dynamisch die Selbsthilfe-Bewegung Psychiatrie-Erfahrener in den letzten Jahren geworden ist und es versteht, Intoleranz und Ingnoranz zu berwinden. Bei einer gro en Anzahl von Patient/-innen f hren unerw nschte psychiatrische Ma nahmen nach wie vor zu lang andauernden und vermeidbaren psychischen (Trauma) oder physischen (erh hte Mortalit t) Sch digungen. Sich davor zu sch tzen und/oder im Vorfeld von Krisen umfassender aufgekl rt zu sein stellt ein Anliegen der Herausgeber dar.
Viele der Beitr ge verdeutlichen exemplarisch die kreativen Anstrengungen Psychiatrie-Erfahrener. Aber auch die andere Seite - die der professionellen Mitarbeiter/-innen von Einrichtungen und Diensten - wird vorgestellt. Das Buch enth lt dar ber hinaus nicht nur die positiv verlaufenen Entwicklungen, sondern erz hlt auch von Widerst nden, Beschr nkungen und Leiden.
Wer sich eine andere, alternative Welt zur gegenw rtigen Psychiatrie erschlie en m chte, ist mit Statt Psychiatrie 2 bestens bedient. Im Bereich der (anti)psychiatrischen Selbsthilfebewegung vereint das Buch viele Denkanst e und eignet sich somit hervorragend als Standardwerk moderner reflexiver Sozialforschung.
Rezension von Michael Horn
Blankenburg, 11.01.2008



